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Das Komische als schamauslösende Bedingung
pp. 169-178
Abstract
Dieser Beitrag befaßt sich mit den sozialen Auswirkungen eines schamspezifischen Erscheinungsbildes. Seit der Antike werden entsprechende körperliche Manifestationen, die als ästhetische Deformation erkennbar sind, mit dem "Komischen" in Zusammenhang gebracht1. Die entsprechende Normabweichung bezieht sich zusätzlich auf den kommunikativen Bereich (Kenntnis sozialer Umgangsformen, korrekte Beherrschung [nicht] sprachlicher Ausdrucksmittel, rollenkonformes Verhalten). Auf seine Sozialpartner wirkt ein komischer Mensch gewöhnlich provozierend. Er ist in seiner Befremdlichkeit häufig Anlaß einer beschämenden Belustigung, die sich in entsprechenden mimischen Ausdrucksmitteln wie Grinsen oder Lachen kundtut. Damit erfüllt der Lachreflex in diesem Zusammenhang eine verhängnisvolle kommunikative Wirkung: Als Belächelter oder Verlachter wird der komische Mensch "objektiviert". Er ist aus der sozialen Gemeinschaft der über ihn Lachenden ausgeschlossen und gleichzeitig vor den Augen der Welt in seiner beschämenden Ohnmacht decouvriert. Hier setzt häufig der circulus vitiosus einer Schamangst2 ein, die wir als "Gelotophobie" bezeichnen.
Publication details
Published in:
Kühn Rolf, Raub Michael, Titze Michael (1997) Scham — ein menschliches Gefühl: kulturelle, psychologische und philosophische Perspektiven. Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften.
Pages: 169-178
DOI: 10.1007/978-3-322-91270-1_12
Full citation:
Titze Michael (1997) „Das Komische als schamauslösende Bedingung“, In: R. Kühn, M. Raub & M. Titze (Hrsg.), Scham — ein menschliches Gefühl, Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften, 169–178.