Metodo

International Studies in Phenomenology and Philosophy

Book | Chapter

203590

Philosophie in Orient und Okzident

Simon Moser

pp. 106-124

Abstract

Das Ost-West Thema beunruhigt die heutige Welt wegen des Gegensatzes des — wie man so sagt — individualistischen, liberalistischen, kapitalistischen Westens zum kollektivistischen, autoritären und kommunistischen Osten mit der Möglichkeit oder Unmöglichkeit der Koexistenz beider Systeme. Es gibt aber noch ein Ost-West Thema mit anderen Aspekten, das zum Teil das alte Thema von "Orient" und "Okzident" wieder aufnimmt. Der Gegensatz von "Morgenland" und "Abendland" mag für manche von uns umwittert sein von Vorstellungen etwa im Sinne des "West-Östlichen Diwan" von Goethe, der sich in den "reinen Osten" flüchtete, "Patriarchenluft zu kosten", um "in des Ursprungs Tiefe" zu dringen, wo menschliche Geschlechter "Väter hochverehrten", oder altreligiöser Vorstellungen, die sich im Satze "ex oriente lux" ausdrücken. Für die ältere Weltgeschichte bedeutet das, dass ihr der alte Orient als die Morgendämmerung oder Kindheit des Menschengeschlechts, die Antike als seine Jugend, das Abendland als das reife Mannesalter erschienen. Dazu tritt noch das neue Interesse an den nationalen und sozialen Revolutionen in Indien und China, die gleichzeitig mit der Preisgabe kolonisatorischer und imperialistischer Interessen des Westens an diesen Ländern verbunden waren. Und es irritiert noch die Frage, ob man diese Gebiete des mittleren und ferneren Ostens mit ihren uralten Zivilisationen als unterentwickelte oder Entwicklungsländer ansprechen soll, weil man mit diesen Begriffen sie schon mit technisch industriellen Massstäben des modernen Westens misst.

Publication details

Published in:

Landgrebe Ludwig (1965). Beispiele: Festschrift für Eugen Fink zum 60. Geburtstag, Nijhoff, Den Haag.

Pages: 106-124

DOI: 10.1007/978-94-015-3229-7_8

Full citation:

Moser Simon (1965). Philosophie in Orient und Okzident, in L. Landgrebe (Hrsg.), Beispiele, Den Haag, Nijhoff, pp. 106-124.