Wirkungsmuster Klopstock Illusion und Empathie
Die Struktur der teilnehmenden Lektüre in den Leiden Werthers
pp. 120-146
Abstract
Erzählforschung handelt vorwiegend von zweierlei Strukturen: sie betreibt ›Grammatik‹ der Textstrukturen und ›Rhetorik‹ der Appellstrukturen narrativer Texte, wobei Linguistik in Gestalt von Transformationsgrammatik und Textpragmatik die aktuellen Modelle liefert. Die hermeneutische Applikation (in der Hintergrundmetaphorik des Triviums die Stelle der ›Dialektik‹) bleibt einer Interpretationspraxis überlassen, deren Theorie keine Grammatik narrativer Strukturen und keine Rhetorik der Fiktion sein kann, sondern erst eine Hermeneutik der Lektüre. Rezeptionsästhetik ist für diese Problemlage insofern charakteristisch, als sie mit der Rhetorik der Fiktion hermeneutisch umgeht, nämlich die Textstruktur als Aktstruktur interpretiert, um die vom Text ermöglichte Lektüre, wie Wolfgang Iser zeigt, im Text selbst festmachen zu können: »Textstruktur und Aktstruktur verhalten sich zueinander wie Intention und Erfüllung.« Die Rhetorik der Fiktion wird in der komplementären Rhetorik der Lektüre als Ermöglichungsstruktur verstanden, durch die Textstrukturen als Strukturen möglicher Lektüren beschreibbar werden: »Elle ne pretend pas décrire le ›contenu‹ des lectures possibles, mais les procédures textuelles qui rendent ces lectures possibles.«
Publication details
Published in:
Haverkamp Anselm (2018) Klopstock/Milton – Teleskopie der Moderne: Eine Transversale der europäischen Literatur. Stuttgart, Metzler.
Pages: 120-146
DOI: 10.1007/978-3-476-04684-0_6
Full citation:
Haverkamp Anselm (2018) Wirkungsmuster Klopstock Illusion und Empathie: Die Struktur der teilnehmenden Lektüre in den Leiden Werthers, In: Klopstock/Milton – Teleskopie der Moderne, Stuttgart, Metzler, 120–146.